Etappe 7: Sault – Avignon

5 Sep

Der Riese der Provence

Bereits uP1040968m 8:45 Uhr brachen wir zu unserer letzten Etappe auf, der sogenannten Tour d’honeur. Auch wenn dieser letzter Abschnitt unserer Tour de France unter dem Eindruck der fraglichen Dopingaffäre stand, ließen wir uns dadurch nicht beeindrucken und verließen die Gite Pilpoil in Sault nach reichhaltigem Abendessen am Vorabend wohlgestärkt und hochmotiviert. Unsere Gastgeberin Béatrice hatte mit Nudeln, Ratatouille, Fleisch und Schokotörtchen als Nachspeise ganze Vorbereitungsarbeit geleistet. Dass der Mont Ventoux übersetzt „windiger Berg“ heißt, bekamen wir direkt schon beim Einstieg in den ca. 25 km langen und 1200 Höhenmeter umfassenden Anstieg zu spüren.
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Während Daniel, Matze und Paul in bekannter Manier die Beine fliegen ließen, splitterte sich dahinter das Feld bei nahezu orkanartigen Böen in Kleingrüppchen auf. Das Geschwindigkeitsprofil im Anstieg schwankte zwischen ca. 10 km/h auf den Abschnitten mit Gegenwind und ca. 30 km/h auf den jeweiligen Gegengeraden. Während der Autor des heutigen Berichtes die Spitzengruppe immer noch auf Distanz im Auge hatte, kam es bei ungefähr der Hälfte des Anstiegs zu einem folgenschweren Defekt. Ein Kettenglied riss, die Kette verklemmte und die Rennmaschine war plötzlich nicht mehr einsatzfähig. Gottseidank waren die Begleitautos mit Coach Renate, Physiotherapeutin MP1040977argit und Mechaniker Horst sowie auch Teamkollege Tobi sofort zur Stelle. Da sich dieser Defekt nicht schnell beheben ließ, wurde in bester professioneller Manier das Ersatzrad vom Begleitwagen heruntergeholt und fahrbereit zur Verfügung gestellt. Der Autor des Berichtes sprang auf und wollte zusammen mit Tobi der Spitzengruppe nacheilen… Problem dabei war nur, dass es sich bei dem Ersatzrad um Cosis Rennmaschine in Ausführung „extra small“ handelte. Mit den Knien abwechselnd zwischen Oberlenker und Ohren und unter unverständlichen Blicken der Mitstreiter am Berg wurde der restliche Anstieg in Angriff genommen. Unerklärlicherweise kam dem Textautor während der Weiterfahrt immer wieder der letzte Besuch im Miniaturwunderland in den Sinn.OLYMPUS DIGITAL CAMERAWährend vorne Paul mit Matze und Daniel um die Bergwertung kämpfte und dabei einen Hobbyradler nach dem anderen und wohl auch den ein oder anderen Profi schluckte, entfachte sich weiter hinten ein Kampf zwischen Wind, Berg, Rennmaschine und Fahrer. Bei recht frischen 4°C und Sturm kamen wir alle in recht engen Zeitintervallen auf dem Gipfel des Mont Ventoux an. Nachdem wir uns in die Schlange der Aspiranten für das Gipfelfoto mit dem magischen „Col de Mont Ventoux“-Schild eingereiht hatten und dann nach braver Warterei auch das Bilddokument der Erradelung im Kasten hatten, machten wir uns schnell auf die lange Abfahrt. Diese war am Anfang noch sehr frostig und erinnerte eher an eine Skiabfahrt in kurzen Radlerhosen, wurde im Verlauf aber immer erträglicher bis uns bald darauf die Tiefe der Provence mit ihren sommerlichen Temperaturen wieder hatte. Mit ordentlich Rückenwind absolvierten wir die restlichen Kilometer unserer Tour bis Avignon ohne größere Zwischenfälle. Naja, kleinere Umfälle gab es dennoch, als Eisi kurzzeitig einen Schwächeanfall vortäuschte und an einer Ampel aus dem Pedal kippte. Gut informierte Quellen spekulieren jedoch darüber, dass es sich hierbei nur um ein Ablenkungsmanöver im Zuge der aktuellen Dopingermittlungen handelt. Nun, wir werden sehen was durch die am Abend angesetzte Pressekonferenz aufgeklärt werden kann.
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In Avignon neigt sich nun unsere Tour 2015 dem Ende zu. Nach dem offiziellen Finish-Foto vor der Pont d’Avignon haben wir dann am Pool des letzten Hotels die Korken knallen lassen und auf ein tolles Erlebnis angestoßen. Insgesamt haben wir in sieben Tagen ca. 595 km Bergstraßen mit kumulativ ca. 12500 Höhenmetern unter unsere Reifen genommen und dabei viele unterschiedliche Landschaften kennengelernt. Besonders wichtig ist, dass dies unfall- und verletzungsfrei ablief. Das weltbeste Begleit- und Betreuerteam ließ diese Tour erst zu dem werden, was sie nun insgesamt wirklich war: ein wunderschönes sportliches Erlebnis, das allen Teilnehmern wohl lange in Erinnerung bleiben wird.

Danke an alle hierfür!

 

 

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