Etappe 8

2 Sep

Axat – Collioure

Die letzte Etappe unserer Tour führte uns von dem noch im Gebirge liegenden Axat, durch die Ausläufer der Pyrenäen bis zum Mittelmeer, in das kleine Städtchen Colliure. Mit 117 Kilometern und rund 1500 Höhenmetern war die Schlussetappe zwar die zweitlängste, sie war jedoch bei weitem nicht so anstrengend wie die Königsetappe am Vortag.

Nachdem wir gefrühstückt hatten, lichteten wir zum letzten Mal das Chaos, das immer dann auftrat, wenn es darum ging das ganze Gepäck ins Auto zu verfrachten. Mit gefüllten Flaschen und ausreichend Müsliriegeln in den Trikottaschen machten wir uns dann auf den Weg Richtung Osten – Richtung Mittelmeer. Ein Anstieg stand der „Tour d’honneur“ – also dem „lockeren Ausrollen“ über rund 100 Kilometer zum Teil in atemberaubend schönen Abfahrten, zum Teil jedoch auch hügelig – noch im Weg.

Der Col de Jau gehörte mit knapp 14 Kilometern Anstieg und ca. 7% durchschnittlicher Steigung  auch noch zu den eher härteren Anstiegen der Tour. Von dem auf 414 Metern über dem Meeresspiegel gelegenen Axat ging es zu erst ungefähr 5 Kilometer in einer Schlucht, sanft ansteigend zum Berg hin, bevor dann der Pass mit einer Rampe von 11% über zwei Kilometer ein letztes Mal alles von einem abverlangte. Im oberen, dicht bewaldeten Bereich des Anstiegs wurde die Steigung endlich geringer, so dass es die letzten Kilometer eigentlich „hoch rollte“. Oben angekommen entschädigte ein phantastischer Blick auf denn  2784 Meter hohen Canigou und die Aussicht auf eine rasante Abfahrt, im Prinzip von der 1508 Meter hohen Passstraße bis hinein ins Mittelmeer für die Strapazen, die man noch einmal aufbringen musste.
Nach einer kurzen Pause inklusive Passfoto machten wir uns unter strahlender Sonne auf, auch noch die letzten 100 Kilometer auf unserem Weg vom Atlantik zum Mittelmeer zu bewältigen.
Die ersten 25 Kilometer legten wir auch wie im Flug zurück, da sie uns, steil abfallend auf eine Höhe von 280 Metern bracht – also gut 1200 Meter tiefer als die Passhöhe. Die Strecke war jedoch nicht nur auf Grund des angenehmen Profils einer Schlussetappe würdig, sondern auch wegen der wunderschönen Landschaft, die sich uns bot. Verschlafene Bergdörfer wie Mosset oder Eus, die durchaus zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählen gestalteten die letzte Etappe, aus meiner Sicht, zu einer der schönsten unserer Tour. Auch die Tatsache, dass Micha rund 50 Kilometer vorm Ziel noch einmal einen Defekt hatte und dass wir unsere letzten Kilometer auf einer relativ dicht befahrenen Straße zurücklegen mussten, änderte nichts daran, dass, mit jedem Meter, den wir zurücklegten, unsere Spannung wuchs, endlich das Mittelmeer zu sehen!

 

Und dann war es endlich so weit: Nach 760 Kilometern, 17500 Höhenmetern und 22 Pässen, die wir überquerten, waren wir endlich in Collioure angekommen. Nachdem wir uns gegenseitig gratuliert hatten, es geschafft zu haben, und wir unsere Ankunft mit einer Flasche Sekt gefeiert hatten, genossen wir diesen emotionalen Moment und blickten auf das Meer. Doch lange hielt es uns nicht auf unserem „Sitzplatz“. Wir zogen schnell unsere Radschuhe aus und kühlten uns, die einen mehr, die anderen weniger, im Meer ab. Nach einem letzten Gruppenfoto im Wasser gingen wir zum Haus der Familie Fröhlich, das für ein paar Tage das Quartier für einen erholsamen Urlaub sein wird. Gesättigt durch hervorragende Spaghetti verschiedner Art, ließen wir den Abend und allgemein auch die wunderbaren, sehr ereignisreichen letzten 9 Tage mit Wein und Baguette, direkt an der Küste des Mittelmeers sitzend, ausklingen.
 

 

 

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