Etappe 7

1 Sep

Massat – Axat

 

In Massat scheint man gerne gut und vor allem viel zu essen. Nach einem opulenten und ebenso ausgezeichneten Abendessen, ganz nach französischer Art (Dauer etwa drei Stunden), fiel das Frühstück nicht weniger umfangreich aus. Da nach der gekürzten „Königsetappe“ gestern, heute der Tagesabschnitt mit den meisten Höhenmetern und Kilometern anstand, wurde auch entsprechend „Carboloading“ betrieben. Das Hotel hatten wir übrigens für uns alleine – die Saison scheint sich hier abrupt dem Ende zu nähern, denn auch das Restaurant, hatte gestern das letzte Mal geöffnet, bevor es in die Betriebsferien ging.

Pünktlich um 10:00 Uhr der Start zu unserer vorletzten Etappe und gleich in den ersten Pass, den Col des Caugnous mit 947 Hm und 6 km Anstieg, noch nicht besonders schwer, aber so ganz ohne Einrollen fiel uns dieser „Kaltstart“ trotzdem nicht besonders leicht. Als erster oben wieder mal Stefan. Gefolgt von Frank – dachte er zumindest, aber irgendwie hatte sich Michael dazwischen geschoben. Des Rätsels Lösung: Micha war ca. 15 Minuten früher los gefahren.
Nach kurzer Rast und dem obligatorischen „Passfoto“ ging es dann gleich weiter Richtung Col der Port (1250 Hm, 6,5 km Länge). Hier bildeten sich hinter dem ungefährdet führenden Stefan, zwei Verfolgergruppen, die im Gegensatz zu den letzten Tagen, den Anstieg diesmal gemeinsam fuhren. In der ersten Gruppe, Matthias, Frank und die beiden Mildner-Brüder, in der zweiten Micha, Rainer und Tobias. Fiel es uns in den ersten Tagen noch schwer, am Berg gemeinsam zu fahren, weil jeder seinen eigenen Rhythmus finden musste, schien dies jetzt möglich zu sein und wurde von uns durchweg als sehr angenehm empfunden, weil sogar noch Luft für den einen oder anderen Gedankenaustausch blieb. Kurz vor der Passhöhe konnten wir jedoch unseren Augen nicht trauen – war es tatsächlich Rainer, der da von hinten angesprintet kam? Trotz Knieschmerzen, die ihn während der letzten Tage plagten, schien er plötzlich über sich hinaus zu wachsen und lies uns dann sogar stehen, um sich hinter Stefan die Bergpreispunkte zu holen.

   

 

Nach einer ca. 30 km langen Abfahrt erreichten wir Tarascon-sur-Ariège. Von hier aus gab es zwei Möglichkeiten, um an den Fuß des Col de Pailhères zu gelangen. Entweder über die N 20 bis nach Ax-les-Thermes oder, ein paar zusätzliche Höhenmeter überwindend, über die Route des Corniches und den Col du Chioula (1431 Hm). Wir hatten uns bereits am Vortag für die zweite Variante entschieden, weil die Nationalstrassen sich meistens als sehr unangenehm und verkehrsreich herausstellen. So kamen wir in den Genuss einer kleinen, nahezu autofreien Strasse, über teilweise „gottverlassene“ Dörfer, mit atemberaubendem Blick auf die gegenüberliegenden Berge und die Nationalstrasse unten im Tal. Großer Wermutstropfen war jedoch der Ausstieg von Rainer, dessen rechtes Knie eine Weiterfahrt leider nicht mehr zuließ.

     

 

 Nach der Abfahrt vom Col du Chioula und der Verabschiedung von Tobias und Stefan, die leider schon früher wieder zurück nach Deutschland fliegen mussten, ging es schließlich auf den Col de Pailhères, mit 2001 Hm unser zweiter Pass der Tour, der uns auf über 2000 Meter Höhe bringen sollte. Hier entschied sich auch Micha dafür, für ein paar Kilometer über den Pass ins Auto zu wechseln, weil er befürchtete, im Anstieg von Krämpfen geplagt zu werden. So nahmen wir den Pass nur noch zu viert in Angriff. 15 km Länge und gut 1000 Hm galt es zu überwinden, mit bis zu 10 % Steigung, ein wahrer Brocken und alle waren sich einig, dass die gerade Passage an der Skistation vorbei, die unangenehmste war. Oben wieder mal Nebel und Kälte, aber auch große Freude über die erbrachte Leistung. Nach dem Ausstieg, Stefans, konnte dieses mal Daniel, den Bergpreis ungefährdet für sich entscheiden.

   

Auf der anderen Seite des Pass wurde die Strasse unvermittelt schmaler und kurvenreich. Hier fanden sich auch noch zahlreiche Aufschriften, vergangener Tours de France. Micha entschloss sich dann, die letzten Kilometer durch die Gorge de l´Aude, wieder mit zu fahren und er sollte es nicht bereuen. Durch die teilweise so enge Schlucht, dass nur der Fluss und die Strasse hindurch passten und die Felsen sich gefährlich über die Fahrbahn neigten, lässt sich die Strecke schlicht nur als unglaublich schön beschreiben. Für mich war das heute die schönste Etappe unserer Tour durch die Pyrenäen.
Abends hatten wir dann noch mal Glück mit unserer Restaurantwahl, einem belgischen, mit ebensolchem Bier (lecker) und stilvoller Einrichtung. So können wir morgen gut gestärkt unsere letzte Etappe bestreiten, die uns dann wieder ans Meer führen wird…

 

 

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