Etappe 6

31 Aug

Saint Beat – Massat

Für die geplante Königsetappe unserer Tour mit 3800 Höhenmetern verteilt auf 130 km gilt leider die Weisheit, dass meisten alles anders kommt als man denkt. Denn denken hätte man können, dass uns nach einem so grandios sonnigen Vortag mit teilweise 36°C zumindest kein Regen erwartet. – Doch leider erwies sich der Wettergott als ungnädig.

     

 

Zunächst jedoch sah der Himmel nicht so schlecht aus, so dass alle beim Frühstück wieder einmal ordentlich zugriffen und die arme Tamara (ein französischer Abklatsch deutscher Nutellakunst) hemmungslos fast völlig in sich verschlangen.
Entsprechend gestärkt ging es in den Col de Menté, der direkt nach dem Ortsschild von St. Béat begann, so dass Michas alltägliche Ausreisversuche zu beginn der Etappe bereits im Keim erstickt wurden, denn hier ging es bei 9,2 % Durchschnittssteigung gleich richtig zur Sache. Bei 900 hm kam dann eine romantische Nebelwand, die mit zart prickelndem Nieselregen und eisgekühlten Temperaturen die weitere Auffahrt versüßte. Auf 1349 hm war dann Schluss, zumindest deutete ein Schild darauf hin, denn der Nebel vernebelte einem nach wie vor die Sicht. Egal, eine ebenso kühl prickelnde Abfahrt folgte und die Erkenntnis, dass neues Tal nicht gleich neues Wetter bedeutet.
Im Tal angekommen ging es direkt in den mit teilweise 13,1 % Steigung sehr giftigen Anstieg des Col de Portet d’Aspet, an dessen Fuß sich das Denkmal des an dieser Stelle 1995 bei der Tour tödlich verunglückten Radfahrers Fabio Casartelli befindet, an dem wir natürlich anhielten. Nach 5 harten Kilometern war auch dieser Col erreicht, wobei sich auch hier die Aussicht auf unsere treueste Begleitung an diesem Tage, eine fette, nässende Nebelwand beschränkte. Die Abfahrt gestaltete sich dann zwar äußerst angenehm, da dass zu durchfahrende Tal, wenn auch unbekannt, dennoch sehr schön und mit 21,4 km entspannend lang war, einzig störend war dabei der Gedanke, dass nach dem Berg bekanntlich vor dem Berg ist – diese profane Realität holte uns nach einer kurzen Baguette-, Cola- und Riegelpause dann auch erbarmungslos ein in Form des Col de la Core. Wenngleich dieser in puncto Steigung im Vergleich zu den vorangegangen Cols zurückblieb, so geizte selbiger nicht mit Länge, denn bis zum Gipfel mussten 17,5 km gefahren werden, um dann bei Höhenmeter 1395 im nasskalten Feucht ein Foto zu machen, dem eine Abfahrt ins Ungewisse folgte, denn der Nebel nahm deutlich zu, dafür ging er aber auch deutlich weiter hinab bis ins Tal!?!

  

     

 

In dem netten Örtchen Seix wurde in Anbetracht drohender Unwetter dann schweren Herzens beschlossen, auf die letzten beiden Cols (Col de Latrape und Col d’Agnes) zu verzichten und direktens nach Massat zu flüchten.
Von dieser Flucht bleibt zu berichten, dass sie -erstens- dadurch verzögert wurde, dass Micha „tout à coup“ noch in Seix an seinem Hinterrad einen mysteriösen Platten bemerkte und dass ebendiese -zweitens- anschließend dadurch beschleunigt wurde, dass 2 Spezialisten (Stephan und Frank) unserer Gruppe die Flucht aus der Fluchtgruppe suchten und erst durch einen kleinen, womöglich aus Erschöpfung provozierten Raddefekt 236m vor dem Ortsschild unseres Zielortes Massat zum stehen kamen, so dass diese bizarre aber dennoch herausfordernd schöne Etappe ein bizarres Ende fand; eine Etappe, bei der niemand wirklich gesehen hatte, wo wir gefahren waren, eine Etappe, welche unfreiwillig durch ihre Kürzung die darauf folgende Etappe zur Königsetappe machte, eine Etappe, bei der zum Glück jeder wohlauf in Massat ankam. Königlich war dennoch einiges, allen voran die wieder einmal königliche Versorgung durch unsere Begleiter, das abendliche Dinner in einem sehr guten Restaurant und schließlich Daniels Verdauungsprobleme, die uns vollends vernebelten.

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