Ruhetag

29 Aug

Ruhetag

Freitag, der 29. August.  –  RUHETAG   für die Cyclisten zum Regenerieren der geschundenen  Popotins  sollte er sein. Das Quartier bestand hauptsächlich  aus 3 Kilogramm selbst-gekochten Spaghetti (aglio, aglio e olio) und einem Jacuzzi-Becken  (bis 20.00 Uhr und jaaa-nicht-über-37°C!!!), in dem ein beträchtlicher Teil der Truppe sitzen blieb bis die Haut an besagtem Körperteil partiell aufgeweicht und partiell durchgerüttelt war…

Ein Teil der Betreuer-Crew  (Roawdy oder auch Road-Manager genannt) war nicht ausgelastet durch die kurzen Sprints zum Wasser-reichen-an-die Cyclisten und beschloss, selbst ein paar Höhenmeter zur Gesamtbilanz der Tour beizutragen. Das Wetter schien prächtig für eine Bergtour geeignet, ein Mitläufer („Concourrent“)  fand sich allerdings nicht…

Sei’s drum,, der Berg in Form des Col-de-Portet (2215m) rief, der GR 10 ist bekanntermaßen gut ausgeschildert, der Handy-Empfang gesichert  –  also los. 

Mit kaum einer Stunde Verspätung gegenüber der ursprünglichen Planung und beladen mit literweise Volvic-Sprit geht’s in die Wand. Sofort kommt ein Opa mit seinen 2 kleinen Enkeln entgegen (also kann der Berg nicht soo kriminell sein) – allerdings hätte es zu denken geben müssen, dass die drei keine 17 Höhenmeter hinter sich hatten  –  aber der Opa war alt und schien gebrechlich und die Kinder klein und  sicher verwöhnt  — Also weiter. Es war warm (aber man war ja noch sehr Tal nah, und die Hitze steht bekanntlich unten, außer bei Inversionswetterlagen…)  Nach weiteren 45 Höhenmetern die erste Trinkpause, und so ging es weiter bis in etwa 1600 Metern Höhe die Baumgrenze nahte.  –  und der Verdacht aufkam, es könnte sich doch um eine Inversionswetterlage handeln….
Noch mal 35 Höhenmeter später spendet eine Distel den letzten Schatten vor der 2000-m-Marke. Zum Dank wird sie fotografiert vor dem majestätischen Hintergrund eines kleinen Schneefeldes inmitten einer Felswand  (wie kann Schnee bei gefühlten  +43°C überleben?  – sicher Gletschereis –  das ist bekanntlich besonders kompakt. Wurde früher in den Pyrenäen sogar abgebaut und mit Eseln  von wagemutigen Ureinwohnern zu Tal transportiert, um das neu aus Amerika importierte Coca-Cola zu kühlen)  

Das Volvic wird knapper. Die IGN-Carte-de-Randonnée wird zu  Rate gezogen: Fast 1200 Höhenmeter geschafft. Fotos vom Talgrund wie aus dem Flugzeug.  Mittlerweile gefühlte +48°C  (vermaledeite Inversionslage!!)  und das Gletschereis dummerweise am Gegenhang –  hier nur  Gras und gelegentlich eingetrocknete Kuhfladen (selbst die Tiere hatten sich in tiefere Lagen zurückgezogen – sie sollen ja nicht nur Dürreperioden sondern auch Erdbeben und Zunamis frühzeitig spüren). Und kein Mensch… Die IGN-Karte: präzise, unbestechlich und erbarmungslos: noch mindestes  5 ½ km. Genauso die Original-Elitz-Armbanduhr:  noch mindestens 1 ½ Stunden. Das Thermometer: überflüssig – mindestens  +56°. Ich kenne diese Temperatur aus der Arabischen Wüste.

Also nur noch eine Option: Zurück ins Tal.

Der Rest ist schnell erzählt: Eine Blase vom ((nicht geplanten) Bergablaufen – sonst hätte ich die Zehe ja getaped), Die Abholung durch den Sharan-Bus (fast wie bei der Tour-de-France der Besenwagen nach Ãœberschreiten des Zeitlimits), Der Besuch des Col-de-Portet mit demselben. Die ärgerliche Renate, die den Bus dann putzen musste (Kommentar von Margit: „Soll ich mein Auto gleich daneben stellen??“) -.— wer kann aber auch ahnen, dass die Passstrasse zum Col-de-Portet  teilweise eine Schotterpiste ist (in der präzisen, unbestechlichen IGN-Karte ist sie immerhin GELB eingezeichnet – also fast wie eine Bundesstraße in Deutschland …)  Und die mitleidigen Blicke der Cyclisten, die erst am nächsten Tag erfahren sollten, was es heißt, sich bei sengender Hitze in 1569m Meereshöhe zu bewegen und nicht alle 250 m ein Materialfahrzeug mit 50 Litern Volvic vorzufinden…

Jedenfalls war es ein wunderbarer RUHETAG mit viiiel  Spaghetti, Jacuzzi, 1200 hinzu gewanderten Höhenmetern — und Fotos wie aus dem Flugzeug…            H.

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